Die Künstler

In der modernen Arbeitswelt ist Teamarbeit vorherrschend. Ob vermeintlich einfache Produkte des täglichen Bedarfs oder hochkomplizierte Technologie, nur durch hochspezialisierte Arbeitsteilung werden die Wertschöpfungsketten unsere Gegenwart aufrechterhalten. In der bildenden Kunst ist dies ganz anders. Kooperative Kunstwerke sind die Ausnahme, das Werk wird in der Regel von einer einzelnen Künstlerin oder einem einzelnen Künstler erschaffen. Dabei ist klar, dass beide Künstler von vielfältigen Inspirationsquellen beeinflusst werden und im ständigen Austausch mit anderen Produzenten stehen. Das Zitat eines anderen Kunstwerks, die Selbstbezüglichkeit der Kunst ist weiterhin obligatorisch.

Bei der Ausstellung von Lisa Sinan Mrozinski und Paul Ole Janns fragt man sich, ob es sich um eine künstlerische Kollaboration handelt. Zudem sind beide Meisterschüler bei Kathi Barath, wenn auch in unterschiedlichen Jahrgängen.

Doch hier muss der Betrachter wie bei allen anderen offenen und versteckten Bezügen auf Spurensuche gehen. Es gibt tatsächlich Installationen, die gemeinsam konzipiert wurden, aber auch jeweils eigene Werke, die sich stilistisch deutlich unterscheiden. Der Stil von Paul Ole Janns ist von Comics und Graphic Novels geprägt, seine Bilder sind gegenständlich und zeigen in kräftiger Farbigkeit ironische Szenerien. In dem Gemälde „In freudiger Erwartung“ (2021) pflegt die schwangere Lisa Sinan Mrozinski in einer blühenden, grünen Landschaft fröhlich den Rasen mit dem Staubsauger. Eine Meise sitzt auf ihrer Schulter, ein Eichhörnchen beschaut sich neugierig die Idylle, im Vordergrund sitzt ein puppenartiger Dalmatiner, der Himmel erstrahlt in den schönsten Orange-, Rosa- und Blautönen, Schäfchenwolken ziehen vorüber – bis auf den letzten impressionistisch-bewegten Grashalm und das Blattwerk – alles ist in freudiger Erwartung.

Lisa Sinan Mrozinskis Installationen wirken wie Gemälde, die die Leinwand verlassen haben und sich den Raum wortwörtlich erobern.

In der Installation „Ein Fenster blinzelt lustlos, ein Gummibaum spricht: „Mord!“ wandert ein tristes Grau über die Wand, es ähnelt dem Grau des Bodens. Hinter einer mit neongrüner Farbe beklecksten Plastikfolie scheint eine Holzpalette, Teile eines furnierten Tisches, ein Stuhl und anderes hervor. Mit einem braunen Klebeband wird grafisch ein Raum angedeutet, das Klebeband ergießt sich wie flüssige Farbe über den Boden des Ausstellungsraums. Zu den Seiten hin bilden orange Linien ein Muster, das an einen niedrigen Heizkörper erinnert. Die Installation ist 2020/21 im Neuen Museum Weserburg Bremen entstanden, mitten in der Pandemie und mit der Unsicherheit, ob die Ausstellung für ein Publikum geöffnet werden kann. Sie wirkt wie ein dekonstruiertes Büro oder ein halbfertiges Werk, das ohne Publikum unvollendet bleiben muss. Lisa Sinan Mrozinski reagiert mit ihrer Installation auf die ungewöhnliche Architektur des Museums, das ehemals ein Speicher war. In der Ausstellung werden unter anderem Papierarbeiten der Künstlerin zu sehen sein, die die Ästhetik der Installationen reflektieren.